Lackschichtdickenmessung
Die Lackschichtdickenmessung ist ein zerstörungsfreies Prüfverfahren, bei dem die Stärke des Lackaufbaus in Mikrometern erfasst wird. Abweichungen zwischen benachbarten Bauteilen zeigen Nachlackierungen und damit frühere Schäden an, die im Gutachten von dem aktuellen Unfallschaden abzugrenzen sind.
Wie die Messung funktioniert
Das Messgerät arbeitet je nach Untergrund magnetinduktiv bei Stahl oder nach dem Wirbelstromprinzip bei Aluminium. Es wird an mehreren Punkten je Bauteil aufgesetzt, üblich sind Dach, Türen, Kotflügel, Seitenwände, Motorhaube und Heckklappe. Das Verfahren beschädigt nichts und dauert wenige Minuten.
Werkseitige Lackierungen liegen bei den meisten Serienfahrzeugen ungefähr zwischen 80 und 150 Mikrometern, gleichmäßig über alle Anbauteile verteilt. Eine Nachlackierung erreicht schnell 200 Mikrometer und mehr. Auffällig ist weniger der einzelne hohe Wert als der Sprung zwischen zwei benachbarten Bauteilen.
Wozu die Werte im Gutachten dienen
Sie sind die Grundlage der Abgrenzung zwischen dem aktuellen Schaden und einem Vorschaden oder Altschaden. Diese Abgrenzung entscheidet darüber, ob der Versicherer zahlt: Wer einen reparierten Vorschaden nicht offenlegt, riskiert den Anspruch auf die betroffene Position insgesamt.
Zweiter Zweck ist die Bewertung. Bei einem Wertgutachten oder beim Gebrauchtwagencheck ist die Messreihe oft der einzige harte Hinweis darauf, dass ein als unfallfrei angebotenes Fahrzeug eine Lackhistorie hat.
Was die Messung nicht leistet
Ein hoher Wert beweist keinen Unfall. Steinschlagreparaturen, Smart Repair oder eine Komplettlackierung wegen Lackplatzern führen zu denselben Werten. Umgekehrt bleibt ein Bauteil, das nach dem Schaden komplett ersetzt und werkseitig lackiert wurde, unauffällig. Die Messung liefert deshalb Anhaltspunkte, die mit der Sichtprüfung an Spaltmaßen, Schweißpunkten und Dichtnähten zusammengeführt werden.